Der Ausweichsitz in Urft ist ein Relikt des Kalten Krieges. Als atombombensicherer Bunker wurde er Anfang der 1960er Jahre als Sitz der Landesregierung im Kriegsfall für drei Politiker (Regierungspräsident, Innen- und Justizminister) und 200 Beamte gebaut. Im Rahmen der Entspannung wurde der Bunker 1993 aufgegeben und an einen Privatmann verkauft. Seit 2009 ist er als Dokumentationsstätte zu besichtigen. Zum Glück wurde der Bunker nie gebraucht, aber regelmäßig für Übungen des Ernstfalls eingesetzt. Während der ganzen Zeit wurde der Innenraum auf eine Temperatur von 21 °C beheizt und Vorräte an Essen und Trinken für 30 Tage vorgehalten.
Mit 15 Mitgliedern der Städtetouren haben wir den Bunker besucht und uns vom Eigentümer, Herrn Dr. Röhling, in die Aufgaben, Funktionsweise, Lebensbedingungen und Geheimnisse des Bunkers einweisen lassen. Die wichtigste Information gab es schon vorab: „zieht euch warm an“, denn im Bunker herrschen konstant 7° C. Nach dem Empfang vor einem unscheinbaren Wohnhaus mit Doppelgarage ging es durch den Seiteneingang der Garage über eine Treppe in den Bunker, zunächst durch zwei dicke Stahltüren, die zum einen den Zugang regulieren und zum anderen bei einem eventuellen Atomschlag in Kombination mit dem verwinkelten Zugang die Druckwelle abhalten sollten. Nach dem Eingang befanden wir uns in der Pförtnerloge vor dem schwarzen Brett, das uns gleich über den Essensplan der Woche informierte, ausgewogen aber keine vegetarische Alternative.
Von da aus ging es über drei Etagen zu den Arbeits-, Versorgungs-, Schlaf- und Aufenthaltsräumen. Wir fanden alles so vor wie es vor 30 Jahren verlassen wurde mit Fernsprechern mit Wählscheibe bzw. Standleitung, Fernschreibern, Lagezentrum mit Karten, Gemeinschaftsbad mit Waschbecken und zwei Duschen. Weiterhin gab es ein voll funktionsfähiges Rundfunkstudio, das vom WDR auf eigene Kosten eingerichtet und im Ernstfall betrieben werden musste. Das Studio wird zwischendurch für die Produktion der Eifeler Rundfunktage benutzt.
Die Schlafzimmer erinnerten an U-Boote, zwar nicht ganz so eng, aber dreistöckige Etagenbetten mit Schlafmöglichkeit im Schichtbetrieb und für jeden Bewohner eine kleine Box für die persönlichen Sachen.
Da der Bunker auch von der Außenwelt abgeschlossen funktionieren sollte, gab es ein Notstromaggregat zur Stromversorgung und für den Ausfall der gesamten Technik auch die Möglichkeit, die Luftversorgung über manuell angetriebene Gebläse sicherzustellen.
Im Lagezentrum konnten wir live mitentscheiden, wie man die Zivilbevölkerung hätte schützen und evakuieren können. Die geringe Zahl der Möglichkeiten war erschreckend.
Nach zwei sehr informativen Stunden waren wir alle durchgefroren und froh, wieder an das Tageslicht zurückzukehren. Leider durften wir keine Fotos vom Innenraum machen. Auf dem Rückweg kamen wir am Krewelshof vorbei, eine gute Gelegenheit, sich für die Heimfahrt zu stärken.
Weitere Informationen zum Ausweichsitz, mit Bildern:
https://www.ausweichsitz-nrw.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausweichsitz_Nordrhein-Westfalen
Text: Klaus Konejung
Bilder: Maren Konejung