Dieses Mal war das Ziel quasi fußläufig erreichbar. Vom Bahnhof Wickrath mit der RB 33 nach Krefeld HBF, von da aus waren es nur noch wenige Meter zum Haus der Seidenkultur, einer ehemaligen Paramentenweberei. Das Haus hat eine spannende Geschichte. Die Firma Hubert Gotzes, gegründet 1905, begann mit Handwebstühlen als alle anderen Weber auf maschinelle Webstühle umstellten. Das war aber wohl begründet, denn Paramente sind anspruchsvoller und wertvoller als andere Gewebe. Ein schwerer Schlag für die Firma war die Entscheidung des Papstes 1964, beim Klerus weniger Wert auf kostbar verzierte Gewänder zu legen. Leider endete die Geschichte der Firma 1992. Dabei war es dem letzten Eigentümer der Firma, Herrn Maus, wichtig, dass das Gebäude und seine Einrichtung erhalten wurden. So wurde das Museum „Haus der Seidenkultur“ geschaffen.

Nach einem informativen und abwechslungsreichen Vortrag, gespickt mit der Firmengeschichte, Anekdoten zum Firmenerfolg und Gesprächen mit jugendlichen Besuchern konnten wir in einem Film die wichtigsten Schritte bei der Herstellung der wertvollen Stoffe und ihrer Weiterbearbeitung erleben.

Danach lernten wir das in der Firma benutzte Jacquard-Webverfahren kennen, mit dessen Hilfe unterschiedlichste Stoffmuster durch gezieltes Anheben ausgewählter Litzen, in denen die Kettfäden verlaufen, erzeugt werden konnten. Die Steuerung erfolgte schon vor über 100 Jahren mit Hilfe von verbundenen Lochkarten, so dass ein gezieltes Muster entstand. Wir durften die einzelnen Schritte vom Entwurf des Jacquard Musters bis zum Webvorgang genauso erleben wie die Ausstellung wertvoller, in der Weberei erstellten Gewänder, die alle zur zusätzlichen Gestaltung reich bestickt waren.

Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge. Danach kamen wir auf dem Weg zur Nachbesprechung (Mittagessen im Restaurant) beim Ponzelar, dem Standbild eines Webers auf dem Weg zu seinem Auftraggeber, vorbei.

Weitere Infos sowie Bilder und Filme gibt es unter https://seidenkultur.de/

Klaus Konejung